Xerxes und der BER

Mark Twain berichtet, wie der Perserkönig Xerxes ca. 480 Jahre v.Chr.  ein Problem mit Pfusch am Bau löste:

„Im Hellespont sahen wir die Stelle, wo der erste in der Geschichte erwähnte unreelle Baukontrakt ausgeführt wurde und die „Auftragnehmer“ von Xerxes sanft zurechtgewiesen wurden. Ich spreche von der berühmten Schiffsbrücke, die Xerxes an der schmalsten Stelle über den Hellespont schlagen ließ (wo er nur zwei oder drei Meilen breit ist). Ein mittlerer Sturm zerstörte das schwache Gebilde, und der König, der dachte, es könnte eine  gute Wirkung auf die nächste Mannschaft haben, wenn die Bauunternehmer öffentlich gerügt würden, hielt ihnen vor der Armee eine Standpauke und ließ sie enthaupten. In den nächsten zehn Minuten vergab er einen neuen Kontrakt für die Brücke. Die alten Schriftsteller haben beobachtet, dass die zweite eine sehr gute Brücke war.“

Mark Twain: Die Arglosen im Ausland (orig.: A Tramp Abroad), Übersetzung: Ana  Maria Brock

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Transrapid statt BER

Schon vor rund zehn Jahren war absehbar, dass der unfähige Polit- und Verwaltungsfilz der Länder Berlin und Brandenburg ein Projekt wie den neuen Flughafen nicht auf die Reihe kriegen wird. Das haben die Herren ja nun eindrucksvoll bestätigt. Anlass, mich an eine gute alte Idee zu erinnern.

Ich dachte damals: Baut keinen Flughafen für Berlin-Brandenburg, das wird sowieso nichts. Baut stattdessen den schon funktionierenden Flughafen von Leipzig zum ostdeutschen Zentralflughafen aus. Und damit man von Berlin aus schnell genug dahin kommt, wird von der Hauptstadt zum Leipziger Flughafen eine Transrapid-Strecke gebaut. Der Transrapid braucht dafür keine halbe Stunde und mit dem Einchecken kann man das so machen, wie es Edmund Stoiber in einer seiner berühmtesten Reden anschaulich beschrieben hat.

Mit dieser Lösung hätte man einige Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Ausbau des Leipziger Flughafens wäre schon deshalb erfolgversprechender gewesen, weil er in der Regie der rührigen Sächsinnen und Sachsen geschehen wäre statt unter Berliner Leitung. Es wäre – wenn überhaupt – auch mit weit weniger Widerstand zu rechnen gewesen. Es gibt in Leipzig kein Nachtflugverbot und kaum jemand scheint das zu stören.

Und es wäre zugleich eine vernünftige Strecke gefunden worden, wo man den Transrapid, diese wirklich geile Technik, endlich in Deutschland hätte einsetzen können. Die Verbindung Hamburg-Berlin war zuvor schon an der Feigheit der Investoren gescheitert und die Strecke von München zum dortigen Flughafen ist ohnehin zu kurz, um die Vorteile des Transrapid zur Geltung zu bringen.

Und schließlich: Wenn sich die kühnen Prognosen über die wahnsinnigen Zuwachsraten des Luftverkehrs (z.B. nach dem Ende des Billigflieger-Booms) als Makulatur erweisen sollten, hätte man nicht ein teures Monstrum in den märkischen Sand gesetzt, sondern ein Stück Zukunftstechnologie in die richtige Richtung gebaut. Irgendwann hätte man über eine Verlängerung der Transrapid-Strecke nach Nürnberg und München (Verona-Bologna-Florenz?) nachdenken können, statt das Geld der Bahnkunden in Stuttgart zu vergraben.

Ich habe damals übrigens den Vorschlag nassforsch an den damaligen Berliner Wirtschaftssenator gemailt und sogar angeboten, dass er es als seine Idee ausgeben darf. Hat er bekanntlich nicht gemacht. Tja, wer nicht hören will …

Frauenquote und Glockenkurve

Als Erstes gehen wir mal davon aus, dass  Männer und Frauen grundsätzlich etwa gleich intelligent und begabt sind. Soweit werden mir wohl die Meisten folgen. Die Anderen dürfen gehen.

Jetzt nehmen wir weiter an, dass das im Großen und Ganzen auch in Bezug auf die Eignung für ganz bestimmte Aufgaben gilt, also z.B. für den Vorsitz einer Partei oder für die Leitung eines Bauamts. Die Eignung oder Nichteignung verteilt sich also etwa so:

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Wenn nun eine bestimmte Anzahl von Personen gesucht wird, die ein bestimmtes Gremium besetzen sollen, dann kann man dafür natürlich – wie zum Beispiel bei der Führungsschicht der Piratenpartei oder beim Bau des Berliner Flughafens BER – fast ausschließlich Männer nehmen. Dann bekommt man aber notgedrungen nicht die Geeignetsten, weil man ja auf den Pool der Frauen von vornherein verzichtet.

Die rote Linie in der Grafik unten zeigt, wie weit man dadurch auch auf weniger Geeignete zurückgreifen muss. Entscheiden wir uns stattdessen dafür, je zur Hälfte Männer und Frauen zu nehmen (grüne Linie), also auf beide Verteilungen zurückzugreifen, dann ist der Schnittpunkt mit der waagerechten Achse jeweils deutlich weiter rechts – insgesamt bekommt man also ein weit besser geeignetes Gremium. Kurz und prägnant: Frauenquote vermindert die Schwachkopfquote.

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