Bank-Kapitalismus

Dieser Tweet hat getan, was gute Tweets können: Mich zum Nachdenken angeregt. Fünf Minuten Googeln hat zwar ans Licht gebracht, dass die Aufregung twittertypisch ins Leere geht; denn bei der Nagel-Bank handelt es sich um ein Kunstobjekt, das schon sechs Jahre alt ist.

Der Künstler aber hat den Nagel (hehe) auf den Kopf getroffen: Er demonstriert mit seiner Installation, dass unsere Wirtschaftsordnung (vulgo: der Kapitalismus) ununterbrochen neue Bereiche seiner Logik unterwirft, d.h. zur Ware macht. Weil das intuitiv den meisten Menschen mehr oder weniger klar ist, konnten sich ja auch so viele vorstellen, dass die kostenpflichtige Parkbank tatsächlich von einem findigen Unternehmer aufgestellt wurde.*

Die Nagelbank  ist aber noch in anderer Hinsicht ein schönes Bild für den Kapitalismus. Bleiben wir mal bei der Vorstellung, ein Kapitalist  habe sie aufgestellt, um Profit zu machen. Die Bank ist ja nicht nur eine Nagelbank, es ist auch eine Bank – also ein nützlicher Gegenstand. Um seines Profites willen hat der Unternehmer also etwas Nützliches geschaffen (ok, schaffen lassen), das es ohne seine Profitgier nicht gäbe. Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist in der Tat unübertroffen darin, Reichtümer zu schaffen. Mit den Worten eines deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts: Es entfaltet die Produktivkräfte. Aber gewaltig.

Und noch etwas erzählt uns die Nagel-Bank. Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, kommt man leicht zum Schluss, dass die Technik, die dafür sorgt, dass die Nägel nur gegen Cash verschwinden, viel aufwendiger und teurer sein dürfte als der ganze Rest der Parkbank. Das ist die andere Seite des Kapitalismus: Um die Profite zu sichern, bedarf es eines gewaltigen Kontrollapparats, der so teuer und unproduktiv ist, dass es manchmal schon groteske Züge annimmt. Der Zwang, die Eigentumsverhältnisse zu sichern, steht einer weiteren Produktion nützlicher Dinge –  der Kapitalismus also sich selbst – im Wege.

Ein gelungenes Kunstwerk.

*Mittlerweile soll es sowas irgendwo in China tatsächlich geben. Ich habe das nicht weiter geprüft.

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