Immer an der Spree lang

Wer folgte nicht auf Wanderungen dem Lauf der Gewässer, wenn er nur frei ist, seine Wahl zu treffen?“ schreibt der Dichter*. Und da hat er Recht. Wie frei sind wir in Berlin, dem Lauf der Spree zu folgen? Das sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus, wie man auf unten stehender Kartenskizze (klicken für die vollständige Version)  erkennen kann. In der Karte sind begehbare Uferabschnitte grün und unzugängliche rot gekennzeichnet. (Ich habe die Karte nach bestem Wissen und Gewissen gezeichnet. Wenn etwas nicht stimmt, lasst es mich wissen.)

Spreeuferweg

Vom Plänterwald im Südosten bis zum Charlottenburger Schloss im Westen können wir über lange Passagen ungehindert an der Spree entlang wandern. Ab und zu müssen wir über eine Brücke die Seite wechseln, in der gesamten Innenstadt aber (von der Jannowitzbrücke bis zu Lessingbrücke) können wir uns sogar die Seite aussuchen. Westlich der Lessingbrücke muss man an zwei Stellen ein Ufergrundstück umgehen; das ist aber ohne großen Stress möglich.

Nur dort, wo auf der Karte die gelbe Linie des vorgeschlagenen Wegs direkt neben einer roten verläuft, haben wir noch ein Problem. Denn hier ist das Ufer unzugänglich und es gibt keine einfache Umgehung. Entweder müsste man sich weit vom Ufer entfernen oder längere Strecken entlang ungemütlicher Hauptverkehrsstraßen weitergehen.

Und wo sind die roten Markierungen? Fast nur im südöstlichen Teil von Mitte und in Friedrichshain-Kreuzberg – also dort, wo sich die Initiative „Mediaspree versenken“ dem finsteren Treiben der Investoren entgegen wirft, die – hm –   das Spreeufer verbauen wollen. (Nur dass die Investoren bisher kaum etwas gebaut haben, außer am linken** Spreeufer zwischen Elsenbrücke und Arena, das zu Treptow gehört. Da allerdings gibt es einen – beim Bau der Treptowers neu angelegten –  Uferweg. Nun ja.) Bei unserer Spreewanderung beginnen die Probleme so richtig in Höhe der Eastside-Gallery, einem Abschnitt, den ich schon in einem früheren Blogpost näher betrachtet habe.

Okay, umgehen  wir in Gottes Namen bis auf Weiteres*** Oststrand, Yaam und Magdalena /Bar25 , aber danach geht’s am rechten Ufer echt nicht mehr weiter; denn etwas weiter vorne schwenkt die Bahnlinie bis an die Spree. Und auf den Geleisen wollen wir nun wirklich nicht wandern. Also links über die Schillingbrücke. Auf der anderen Seite können wir vor dem Verdi-Gebäude zunächst wieder am Ufer entlang, stehen aber kurz darauf schon  wieder vor einem Zaun. Jenseits des Zaunes liegt viel Brachland vor uns, und dort, wo Gebäude stehen, reichen sie nicht bis zum Fluss. Technisch wäre ein Uferweg bis zur nächsten Brücke also kein großes Problem. Hier ist u.a. das Gelände des ehemaligen „Kiki Blofeld“. Das gehört jetzt einer Investorengruppe namens „Spreefeld“, die dort Wohnhäuser errichtet. Spreefeld gehört übrigens nicht zu den Bösen, sie sind jedenfalls eine Genossenschaft. Sogar eine Jurte wollen sie bauen! Ein öffentlicher Uferweg wird hier ganz selbstverständlich zu den Bau-Auflagen gehören. Und westlich davon ist das „Kater Holzig“, noch ein Club. Dessen Eigner meinen es ebenfalls gut mit dem Spreeufer; denn sie haben schließlich auch das Grundstück der ehemaligen Bar 25 auf der anderen Spreeseite gekauft und planen dort lauter ganz tolle Sachen. Also sollte das Stück Uferweg zwischen Schilling- und Michaelbrücke eigentlich bald entstehen – mit den in Berlin üblichen Verzögerungen von 2 bis 5 Jahren schätzungsweise.

Unmittelbar westlich der Michaelbrücke steht ein Kraftwerk. Da werden wir wohl auch weiterhin drumrum gehen müssen. Direkt dahinter kann man aber auch heute schon wieder zur Spree schwenken und von da an bis Charlottenburg fast ungehindert am Ufer entlang wandern. Die gesamte Strecke vom Plänterwald bis zum Schlosspark Charlottenburg ist übrigens etwas mehr als 20 km lang – eine schöne Tagesetappe.

* Thomas Mann, Herr und Hund

** Die Spree fließt von Südost nach Nordwest durch Berlin. Rechtes und linkes Ufer wird bei Flüssen immer mit Blick in Fließrichtung definiert.

*** Ein Schuft der Schlechtes dabei denkt – irgendwann wird dort etwas Neues gebaut werden und dann auch ein Uferweg entstehen.

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