Living Levels

Mit 3-D-Visualisierungen von geplanter Architektur ist das ja so eine Sache. Die Berliner/innen staunten nicht schlecht, als das so visualisierte „Spreedreieck“ am Ende tatsächlich so aussah. Es kommt dabei offensichtlich auch auf den Standpunkt an: Hier die Visualisierung des Projekts „Living Levels“ auf der Website der Vermarkterfirma. Ist der Serviervorschlag-Hinweis rechts unten auf dem Werbebild nicht herrlich? „Unverbindliche Visualisierung“ …. man muss wohl befürchten, dass es am Ende doch eher so aus der Dose kommt wie auf dem Bild der gentrifizierungskritischen Mediaspree-versenken-Initiative (ein bisschen nach unten scrollen). Obwohl, etwas Broccoli wirkt ja als Garnierung manchmal Wunder.

Scherz beiseite. Die Bebauung des Spreeufers wird ja nicht vornehmlich mit ästhetischen Argumenten kritisiert. (Obwohl man schon manchmal den Eindruck hat, die Initiative hält alle Bauwerke für Teufelswerk, die eine Traufhöhe von mehr als 22 m haben.) Eines der Hauptargumente ist aber, dass durch die Mediaspree-Projekte der freie Zugang zum Spreeufer verbaut werde. Das ist schlichter Unsinn und eine Verdrehung der Tatsachen, wie ich im vorigen Blogpost klargestellt habe. Und wenn man den Neubau von Wohnungen auf einem bisher unbebauten Grundstück mit dem Schlagwort „Verdrängung“ in Verbindung bringen will, muss man schon ziemliche Gedankenakrobatik treiben.

Warum ist eigentlich die Forderung „Luxuswohnungen für alle!“ fast nicht zu hören? Noch nicht einmal in ihrer sozialdemokratischen Variante: „Bei Neubauten müssen xx Prozent der Wohnfläche quersubventioniert und mit einer Miete von maximal x €/m² unter sozialen Gesichtspunkten vergeben werden.“ Fände ich eigentlich eine sehr sympathische Forderung.

Stattdessen verschleißen sich die Gentrifizierungsgegner/innen in rückwärts gewandten Abwehrkämpfen, bei denen jede noch so versiffte Brachfläche als erhaltenswerter Freiraum verteidigt wird. Es ist schon richtig: dem „Markt“ darf man das Wohnungsproblem nicht überlassen. Aber richtig ist auch, dass Wohnungsnot nicht behoben wird, wenn keine Häuser gebaut werden. Ob es sowas sein muss wie die „Living Levels“, oder ob man stattdessen doch lieber den etwas faden Grünstreifen am Spreeufer erhalten will – darüber kann man schon diskutieren. Aber da wären wir letztlich wieder bei ästhetischen Argumenten.

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