Papa, ich geh zum Zirkus!

Sash, der Taxifahrer, hat ein Buch geschrieben. Es heißt: „Papa, ich geh‘ zum Zirkus! oder: Karriere, kann man das essen?“ Das ist ein schönes Buch, ein lustiges Buch. Ich habe es gerne gelesen.

Sascha Bors, den viele von seinem Blog „Gestern Nacht im Taxi“ kennen, erzählt darin Geschichten aus seinem Berufsleben, oder besser gesagt aus seinen wechselnden Bemühungen, das wenige Geld zu verdienen, das er zum Leben braucht. Die Sammlung  ist chronologisch geordnet und beginnt vor etwa anderthalb Jahrzehnten mit einem Besuch seiner  Oberschulklasse im Stuttgarter Berufsinformationszentrum und endet mit dem gegenwärtigen Traumberuf des Autors: Taxifahrer in Berlin.

Dazwischen lesen wir Geschichten über die verschiedensten Arbeitsverhältnisse, allesamt prekär und – mit einer kurzen Ausnahme – schlecht bis miserabel bezahlt. Den Tiefpunkt markiert der Job beim Sklavenhändler (vulgo: Zeitarbeitsfirma). Hier nimmt die Erzählung kurz wallraffsche Züge an. Sehr sympathisch: es stört den  Autor nicht so sehr, einen lächerlich geringen Stundenlohn  zu verdienen. Viel mehr regt es ihn auf, wenn er herumgeschubst und schlecht behandelt wird.

Das Buch ist aber alles andere als eine Sozialreportage; es ist eine Sammlung unterhaltsamer Geschichten und manchmal zum Brüllen komisch. Liebevoll schildert Sascha Bors die Menschen, die ihm begegnet sind. Besonders gelungen fand ich die Episode, die möglicherweise auch für den Autor ein prägendes Kapitel in seinem bisherigen Leben war: als er im Behindertenfahrdienst arbeitete.

Sascha Bors schreibt eine einfache klare Sprache und gibt nur ganz selten der Versuchung nach, eine gewollt witzige Formulierung einzubauen. Streckenweise erinnert seine Erzählweise an Wladimir Kaminer, mit dem er ja auch gemeinsam hat, aus der Ferne nach Berlin eingewandert zu sein und hier hochdeutsch gelernt zu haben.

Ich kann mir gut vorstellen und wünsche es mir auch, dass Sascha Bors in Zukunft noch weitere Bücher mit Geschichten herausbringt. Und ich wünsche ihm natürlich einen Riesenerfolg. Andererseits: Wenn Sash irgendwann als Bestseller-Autor Millionen scheffelt, wer schreibt dann die tollen Taxi-Geschichten?

Papa, ich geh‘ zum Zirkus! oder: Karriere, kann man das essen?“ von Sascha Bors gibt es als E-book bei Amazon. Es kostet 2,99 € . Wer mit Amazon nichts anfangen kann oder will, wendet sich am besten direkt an den Autor. Der wird Mittel und Wege finden. Findet er ja immer.

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Ein Kommentar zu “Papa, ich geh zum Zirkus!

  1. Wie das so ist mit dem eBook | Sashs Blog

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