Die Schwachkopfquote (2)

Vor einer Weile habe ich ein bisschen mit Normalverteilungen rumgespielt, um folgende Aussage zu belegen: Wer Frauen von Funktionen ausschließt, sorgt dafür, dass es schlechter funktioniert. Denn man muss notgedrungen auf weniger begabte Männer zurückgreifen, wenn man die begabten Frauen raus hält. Die Schwachkopfquote steigt.

Die Betrachtung mit den zwei identischen Glockenkurven hatte zwei Haken: Zum einen ging sie davon aus, dass sich immer genau gleich viele Frauen wie Männer um eine Position bewerben, was natürlich nicht stimmt. Fast immer sind es (jedenfalls bei attraktiven Jobs) mehr Männer.Zum anderen wurde so getan, als ob  immer die Fähigsten ausgesucht würden. Häufig setzen sich aber bekanntlich nicht die besten Männer durch, sondern die mit  den besseren Beziehungen.

Beides zusammen ist ein Argument für die Frauenquote. Die Frauen hatten noch nicht die Zeit und die Gelegenheit, in dem Maße Seilschaften aufzubauen,wie die Männer in den vergangenen paar Jahrhunderten. Man kann zuversichtlich davon ausgehen, dass unter den wenigen Frauen, die weit genug gekommen sind, sich für einen leitenden Posten überhaupt zu bewerben, die durchschnittliche Qualifikation deutlich höher ist als beim Pool der männlichen Bewerber. Unsere Glockenkurven könnten in Wahrheit also z.B. so aussehen*:

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Ich denke, das veranschaulicht schön, dass man in der Regel gut dran tut, einen großen Teil der Frauen auch zu nehmen, die sich bewerben.  Wenn man will, dass der Strom nicht ausfällt, die S-Bahn auch im Winter fährt und Bauprojekte pünktlich fertiggestellt werden, dann müssen gute Leute in die leitenden Positionen und nicht Männer mit guten Beziehungen. Was den Frauen fehlt, um sich durchzusetzen (also die Seilschaft), muss man ausgleichen durch umgekehrte Diskriminierung (also z.B. eine Quote).

Das kann man auf andere Gruppen ausdehnen: Wo Migrant(inn)en und Arbeiterkinder so von den Unis ferngehalten werden wie in Deutschland, verschwendet man ein riesiges Potenzial von Begabungen. Wo Machteliten und Männerbünde die Posten unter sich aufteilen, wird schlecht geplant, schlecht geforscht und schlecht regiert. Die durchlässigen, offenen Gesellschaften sind erfolgreich, nicht die mit den repressiven und feudalen Strukturen. Schaut euch um in der Welt, und es wird offensichtlich.**

Wir müssen Bessere an die Stelle der Ackermänner,  Mehdorns*** und Schwarz’**** setzen. Und zwar so, wie man es in zivilisierten Gesellschaften tut – mit Gesetzen und Regeln. Die Frauenquote ist eine davon.

* Und bitte (bitte!) fragt mich nicht nach der Zahlenbasis.
** Man vergleiche z.B. den Entwicklungsstand Israels mit dem seiner Nachbarn.
*** Hätte beinahe die Deutsche Bahn vor die Wand gefahren und ist kurz vor der Bruchlandung bei Air Berlin abgesprungen.
**** Einer von denen, die den Berliner Flughafen BER in den Sand gesetzt haben.

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Ein Kommentar zu “Die Schwachkopfquote (2)

  1. Hi Hans… deine Betrachtungsweise (zumindestens in der Grafik) hat ein Problem: du überschätzt massiv die höhere Qualifikation der Frauen. Du unterstellst in deiner Grafik eine Verschiebung von fast 2 Standardabweichung bei gleichzeitiger Reduzierung der Population auf nur 1/4. da brauch ich nicht nach Zahlenbasis fragen, das ist einfach unhaltbar.

    Bei 2 Standardabweichung „Vorteil“ kannst du von einem Frauenanteil von ca. 2% ausgehen. Oder andersrum bei 20% Frauenanteil haben sie einen anzunehmenden „Vorsprung“ von pi mal Daumen „nur“ 1 Standardabweichung.

    Sprich man müsste die Quote wenn man sie denn will vom Anteil der Kandidaten abhängig machen. Je kleiner der Frauenanteil an den Kandidaten, je größer der potentiell anzunehmende „Qualifikationsvorteil“.

    Gilt natürlich umgekehrt auch (Bsp. Erzieher).

    Als wirklich ganz plumpe Rechenregel würde ich sagen: die Wurzel aus dem halben kleineren Anteil ist die anzustrebende Quote, also beispielsweise:

    1% Kandidatinnen -> 7% Quote
    5% Kandidatinnen -> 16% Quote
    10% Kandidatinnen -> 23% Quote
    20% Kandidatinnen -> 32% Quote
    33% Kandidatinnen -> 41% Quote
    50% Kandidatinnen -> 50% Quote

    Damit trägt man so ganz grob den von dir angesprochenen Aspekt Rechnung.

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